Wie ich unseren Haushalt bequemer machen will und mir damit immer mehr Aufgaben ins Haus hole.
Es ist Mittagspause im Homeoffice. Ich koche, versorge die tröpfchenweise heimkehrende Familie mit Essen und versuche zwischendurch, unseren neuen Fotodrucker zum Laufen zu bringen. Papier einlegen, Einzug starten, geht nicht. Noch mal. Nach ungefähr zehn Versuchen mit dem nachgekauften Fotopapier im Format 13 × 18 sind meine Nerven entsprechend gereizt.
Dabei hatte das Ganze gut angefangen. Meine Frau möchte immer mal wieder Bilder ausdrucken, damit unsere Erinnerungen nicht nur auf Handys und Festplatten liegen. Der Weg zu dm oder Müller kostet dafür jedes Mal Zeit. Unser alter Selphy CP910 ist kaputt, der Farblaser für Fotos nicht besonders geeignet. Also habe ich mich nach einem Tintendrucker umgesehen.
Es wurde ein Epson ET-8550. Mit A3. Dank einer Aktion bezahlbar, erste Ergebnisse auf dem noch vorhandenen Fotopapier super, randloser Druck ebenfalls. Dann habe ich bei eBay Papier in 13 × 18 nachgekauft.
Das ist wohl zu steif für den Fotopapiereinzug. Über den hinteren Einzug funktioniert es, dafür bleibt beim gewünschten randlosen Ausdruck ein kleiner weißer Streifen. Ich vermute ein Problem mit der Einzugsgenauigkeit. Es kann aber auch am Papierformat oder an einer Einstellung liegen. Muss ich erst noch herausfinden.
Eigentlich wollten wir nur ein paar Bilder ausdrucken. Jetzt habe ich ein weiteres Thema, in das ich mich einarbeiten muss. Und das ist bei uns längst kein Einzelfall.
Was mit dem Gerät noch ins Haus kommt
Beim Papier fängt es an. Ist das normale Glossy vom Druckerhersteller besser als das Premium Glossy eines Fremdherstellers? Was bedeutet Premium überhaupt? Und welches Papier funktioniert zuverlässig in welchem Einzug? Habe ich eine passende Sorte gefunden, muss ich noch überlegen, welche Formate wir brauchen, wie viel davon auf Vorrat sinnvoll ist und ob sich ein Sparabo lohnt.
Dazu die Einrichtung: Auf den Android-Geräten habe ich einen Druckdienst und eine zusätzliche Druck-App. Am PC muss ich mich zwischen dem mitgelieferten Windows-Treiber und dem Treiber vom Hersteller entscheiden. Jede Frage ist für sich lösbar. Zusammen werden sie zu einer Aufgabe, die ich vor dem Kauf so nicht auf dem Schirm hatte.
„Choice Overload“, also Überforderung durch Auswahl, trifft einen Teil davon. Große Auswahl ist nicht grundsätzlich schlecht. Schwierig wird sie unter anderem dann, wenn Alternativen schwer vergleichbar sind und die eigenen Entscheidungskriterien noch fehlen.[1][2] Ich weiß, wie das Foto aussehen soll. Welche Papiereigenschaften und Einstellungen dafür nötig sind, muss ich erst lernen.
Und es bleibt nicht beim Drucker. Wir sind fünf Personen. Es kommen Geräte und Konten dazu, manches wird gemeinsam genutzt, anderes muss auf mehreren Geräten eingerichtet werden. Wenn etwas nicht funktioniert, kann es am Netzwerk liegen, am Gerät, am Zugang oder an der App. Ich muss erst herausfinden, wo ich anfangen soll.
In der Küche stehen Kaffeevollautomat, Monsieur Cuisine, Eismaschine und Coldplate für Icecream Rolls. Dazu kommen Induktionskochfeld mit Abzug, Dampfgarer und ein Backofen mit Mikrowelle und Bratthermometer. Ich möchte knusprige Pommes hinbekommen und probiere gern einen besonderen Nachtisch aus. Aber jedes Gerät muss gereinigt werden, braucht Zubehör, hat Eigenheiten und geht vielleicht irgendwann kaputt. Während ich mich schon für die nächste Möglichkeit interessiere, bleiben die bisherigen Aufgaben bestehen.
Ich will das ja selbst verstehen
Ich habe meinen Anteil daran. Den Drucker habe ich selbst ausgesucht, und dass er A3 kann, fand ich gut. Für die kleinen Erinnerungsbilder hätten wir das vermutlich nicht gebraucht. Aber wenn schon ein neuer Drucker, dann wäre es doch schön, auch größere Bilder machen zu können.
So geht es mir öfter. Ich beschäftige mich gern mit Technik und löse gern Probleme damit. Mit einem stumpfen „geht wieder“ bin ich nicht immer zufrieden. Ich möchte wissen, warum etwas funktioniert, damit ich beim nächsten Fehler darauf aufbauen kann. Das Lernen und Ausprobieren hat für mich einen eigenen Wert.
In einer dänischen Studie begegnet mir ein Teilnehmer, bei dem ich mich ziemlich ertappt fühle. Adam baut gern eigene Smart-Home-Lösungen. Nach seiner Einschätzung kostet ihn das Basteln mehr Zeit, als die Technik einspart. Für ihn lohnt es sich trotzdem.[3] Das kann ich gut nachvollziehen.
Nur brauche ich dafür Zeit, in der ich einer Sache nachgehen kann. In der Mittagspause zwischen Kochen, Essenverteilen und dem nächsten Arbeitstermin wird daraus schnell Frust. Ich möchte etwas verstehen und muss gleichzeitig zu einem brauchbaren Ergebnis kommen.
Dazu kommt mein Anspruch, den Überblick zu behalten. Ich will die Sachen, die wir haben, ordentlich betreiben können. Je mehr Möglichkeiten ich mir ins Haus hole, desto mehr Zusammenhänge muss ich dafür kennen und desto mehr offene Fragen habe ich im Kopf.
Für mich funktioniert es schon zu 80 Prozent
Beim Drucker würde ich sagen: Wir sind schon ziemlich weit. Das Papier geht durch den hinteren Einzug, ein Foto kommt heraus. Für mich ist das eine 80-Prozent-Lösung.
Meine Frau sieht das anders. Sie muss das Papier erst richtig einlegen und sich dafür mit einem Papierweg beschäftigen, der sie eigentlich nicht interessiert. Anschließend hat das Bild immer noch einen weißen Streifen. Der gewünschte einfache Fotodruck funktioniert also weiterhin nicht.
Meine 80 Prozent beschreiben vor allem, wie weit ich mit der Einrichtung gekommen bin. Sie sagen wenig darüber aus, wie gut das Ergebnis im Alltag nutzbar ist.
Trotzdem ist es frustrierend, wenn die Recherche, die Einrichtung auf mehreren Geräten und die bisherigen Versuche kaum sichtbar werden. Ich schaue außerdem nach Angeboten für Ersatztinte, möchte die Eignung von Fremdtinte prüfen und habe schon wieder A3+-Fotopapier auf meiner Liste. Für mich hängt das alles zusammen. Am weißen Streifen ändert es erst einmal nichts.
Für diese Arbeit sind zwei Begriffe hilfreich: „Digital Housekeeping“ bezeichnet das Einrichten und Betreuen der Haushaltstechnik. Die kognitive Haushaltsarbeit, die Allison Daminger untersucht hat, umfasst das Voraussehen von Bedürfnissen, das Suchen nach Möglichkeiten, das Entscheiden und das Überprüfen der Ergebnisse. In ihrer Studie mit 35 Paaren übernahmen Frauen insgesamt mehr davon, besonders das Voraussehen und Überprüfen.[4] Meine Druckerarbeit liefert deshalb noch keine Bilanz darüber, wie unsere Arbeit insgesamt verteilt ist.
Auch meine Frau hat mit der Technik Aufwand. Wenn sie Papier neu einlegen, einen misslungenen Ausdruck prüfen oder mich um Hilfe bitten muss, wird sie bei dem unterbrochen, was sie eigentlich tun wollte. Genau solche Tätigkeiten beschreibt eine Studie über Menschen, die die Technik zu Hause nicht selbst eingeführt haben: Auch sie grenzen Fehler ein, probieren Lösungen aus und organisieren Hilfe. Ihre Arbeit bleibt häufig ebenfalls unbeachtet.[5]
Hinzu kommt die Zeit, in der anderes liegen bleibt. In der dänischen Studie berichtet ein Teilnehmer ausdrücklich, dass er seit der Einführung der Technik mehr digitale Aufgaben und weniger andere Hausarbeit übernimmt.[3] Aus meiner Sicht habe ich also viel geleistet. Aus Sicht meiner Frau kann trotzdem eine unerledigte Aufgabe übrig bleiben, während ich für andere Dinge nicht verfügbar war. So nehme ich unseren Konflikt jedenfalls wahr.
Meine investierte Zeit macht den weißen Streifen nicht kleiner. Die Arbeit ist trotzdem angefallen.
Was ich alles gleichzeitig erreichen will
Ich möchte, dass die Dinge ordentlich funktionieren. Ich will sie verstehen, möglichst wenig wegwerfen und reparieren, wenn das sinnvoll möglich ist. Gleichzeitig soll es bezahlbar bleiben. Alles professionell machen zu lassen oder gleich zu ersetzen, geht auch nicht. Und Zeit für die Familie hätte ich gern ebenfalls.
Diese Ziele konkurrieren um dieselbe Zeit und Energie. Dass Konflikte zwischen den eigenen Zielen mit stärkerer Belastung zusammenhängen können, ist auch in einer Metaanalyse beschrieben.[6] Bei mir wird das schon an der Tinte konkret: Die Suche nach einer günstigeren, geeigneten Alternative spart vielleicht Geld, kostet aber Zeit. Dass ich dabei etwas lerne, macht die Beschäftigung für mich interessanter. Es macht die Stunde nicht wieder frei.
Außerdem muss ich mich fragen, ob gerade wirklich A3+-Papier fehlt. Für die kleinen Fotos brauchen wir es nicht. Vielleicht erweitere ich im Kopf schon das Projekt, obwohl die ursprüngliche Anforderung noch gar nicht sauber erfüllt ist.
Wir müssten also auch klären, was uns bei diesem Drucker wichtig ist: schnell kleine Erinnerungsbilder ausdrucken, besonders gute Fotoqualität, große Formate oder möglichst geringe Kosten. Je nachdem ist etwas anderes zu tun. Mein Interesse entscheidet diese Frage nicht automatisch für den ganzen Haushalt.
Eine Untersuchung von 2026 beschreibt auch diese Verständigung über gemeinsame Werte und Ziele als wenig sichtbare Arbeit. Die verwendeten digitalen Hilfsmittel unterstützen sie deutlich weniger als einzelne Organisationsaufgaben.[7] Das passt zu meinem Eindruck: Ich kann noch so viele Aufgaben festhalten. Welche davon unsere Zeit wert sind, müssen wir trotzdem miteinander klären.
Wann es für uns funktioniert
Eine fertige Lösung habe ich dafür nicht. Beim Drucker wäre ein sinnvoller nächster Schritt, einen verlässlichen Weg für die normalen Fotoausdrucke hinzubekommen: passendes Papier, passende Einstellungen und eine Bedienung ohne erneute Fehlersuche.
Dafür muss ich wahrscheinlich manches andere erst einmal liegen lassen. In einem neunmonatigen Feldversuch mit zehn Haushalten wurde Smart-Home-Technik teilweise gerade dadurch alltagstauglich, dass die Bewohner auf fortgeschrittene Funktionen verzichteten.[8] Den Gedanken muss ich wohl erst einmal aushalten: Ein Gerät kann seinen Zweck erfüllen, auch wenn ich nicht alles aus ihm heraushole.
Um den Überblick zu behalten, habe ich begonnen, Geräte, Reparaturen, Konfigurationen und offene Projekte in einem Haushaltswiki zu dokumentieren. Wie das aufgebaut ist und was es mir bringt, stelle ich in einem Folgeartikel vor. Es hilft mir, nach einer Pause wieder in ein Thema einzusteigen. Welche Möglichkeiten ich verfolgen will, nimmt mir das Wiki nicht ab.
Beim Drucker würde mir fürs Erste reichen: ein ordentliches Foto in 13 × 18, ohne weißen Streifen. Und ohne dass dafür wieder die Mittagspause draufgeht.
Transparenzhinweis:
Dieser Artikel ist mit Unterstützung von KI entstanden. KI hat mir geholfen weitere Quellen zu finden, einen besseren dramatischen Bogen zu spannen und Formulierungen geschmeidiger zu gestalten.
Quellen und Hintergründe
Die Haushaltsstudien liefern konkrete Vergleichsfälle für die Einordnung der Druckergeschichte. Ihre Übertragung auf unseren Haushalt ist meine Interpretation. Die kleinen qualitativen Untersuchungen zeigen Erfahrungen und mögliche Zusammenhänge, keine repräsentativen Häufigkeiten oder Bilanz unserer Arbeitsteilung.
- Benjamin Scheibehenne, Rainer Greifeneder und Peter M. Todd (2010): Can There Ever Be Too Many Options? A Meta-Analytic Review of Choice Overload. Journal of Consumer Research, 37(3), 409–425. Verlagsseite, frei zugängliches Manuskript. Die Auswertung umfasst 63 Untersuchungsbedingungen aus 50 Experimenten mit insgesamt 5.036 Teilnehmenden. Der mittlere Effekt lag praktisch bei null, die Ergebnisse variierten erheblich. Das widerspricht einer pauschalen Aussage, große Auswahl überfordere grundsätzlich.
- Alexander Chernev, Ulf Böckenholt und Joseph Goodman (2015): Choice overload: A conceptual review and meta-analysis. Journal of Consumer Psychology, 25(2), 333–358. Volltext auf der Website des Autors. Die Analyse von 99 Beobachtungen mit insgesamt 7.202 Teilnehmenden untersucht Bedingungen von Auswahlüberforderung. Die Übertragung auf die persönliche Fotopapiergeschichte ist eine Einordnung, keine Untersuchung dieses konkreten Falls.
- Line Kryger Aagaard und Line Valdorff Madsen (2022): Technological fascination and reluctance: gendered practices in the smart home. Buildings & Cities, 3(1), 677–691. Frei zugänglicher Volltext, DOI: 10.5334/bc.205. Qualitative Interviews und Hausführungen aus zwei dänischen Studien. Konkrete Fundstellen: Abschnitt 4.1 (Adam und Cecilie), 5.1 (Eriks veränderte Aufgabenverteilung). Die Fallauswahl illustriert unterschiedliche Umgangsweisen, keine repräsentative Häufigkeit oder gemessene Zeitbilanz.
- Allison Daminger (2019): The Cognitive Dimension of Household Labor. American Sociological Review, 84(4), 609–633. Abstract und bibliografische Angaben bei Harvard. Grundlage sind 70 Interviews mit Mitgliedern von 35 Paaren. Die qualitative Untersuchung beschreibt Formen und Verteilung kognitiver Haushaltsarbeit; sie liefert keine Bilanz für die hier beschriebene Familie. Ergänzend erläutert Daminger die unterschiedliche Sichtbarkeit der Arbeitsschritte in ihrem eigenen Begleittext. Dieser erklärt dieselbe Studie und zählt hier nicht als zusätzlicher unabhängiger Beleg.
- Helene Fiane Teigen (2026; zuerst online 2024): Troubleshooting the connected home: Exploring the perspectives of non-initiators. Convergence, 32(1), 214–230. Verlagsseite, frei zugängliches akzeptiertes Manuskript. DOI: 10.1177/13548565241268062. Interviews mit fünf Personen. Fundstelle: „Troubleshooting by non-initiators“ mit den drei Schritten „Diagnosing“, „Performing“ und „Delegating“. Besonders passend zur Arbeit derjenigen, die eine Technik benutzen müssen, ohne sie selbst ausgewählt oder eingerichtet zu haben. Keine repräsentative Aussage über die Verteilung dieser Arbeit.
- Jacob S. Gray, Daniel J. Ozer und Robert Rosenthal (2017): Goal conflict and psychological well-being: A meta-analysis. Journal of Research in Personality, 66, 27–37. Volltext auf der Website eines Autors. Auswertung von 54 unabhängigen Stichproben mit insgesamt 12.470 Personen. Untersucht werden vor allem Konflikte zwischen Zielen innerhalb einer Person; die Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar als Nachweis für Konflikte zwischen Partnern oder Generationen verwenden. Die Beispiele im Artikel sind Übertragungen auf den persönlichen Alltag.
- Sarah Lucy Frampton, Sandy J. J. Gould und Anna L. Cox (2026): The Domestic Operating System: An Empirical Investigation of Digital Technology and Hidden Work in the Home. CHI ’26, ACM, 22 Seiten. Universitätsnachweis, freier Volltext. DOI: 10.1145/3772318.3791167. Qualitativ ausgewertete Befragung von 50 Personen aus Großbritannien. Fundstellen: Abschnitte 5.3 und 5.4 zur gemeinsamen Verantwortung sowie zur Verständigung über Werte und Ziele. Selbstauskünfte, keine Beobachtung ganzer Familien und kein Wirksamkeitstest einer App oder eines Wikis.
- Tom Hargreaves, Charlie Wilson und Richard Hauxwell-Baldwin (2018; zuerst online 2017): Learning to live in a smart home. Building Research & Information, 46(1), 127–139. Universitätsnachweis, freier Volltext. DOI: 10.1080/09613218.2017.1286882. Zehn Haushalte, neunmonatiger Feldversuch. Fundstellen: „Initial use“ und „Longer-term use“ im Ergebnisteil, besonders die Passage zur erfolgreichen Integration durch Verzicht auf fortgeschrittene Funktionen. Untersucht wird Smart-Home-Technik, kein Fotodrucker; die Übertragung ist eine Analogie.
